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Momentaufnahmen aus den Bergen und Ländern dieser Welt

Archive for ‘Juli, 2016’

Klettergebiete in Montenegro

Noch nie gehört, dass man dort klettern kann? Eigentlich habe ich mir am Anfang auch keine Hoffnungen gemacht an diesen weissen Flecken der Kletterlandkarte etwas zu entdecken. Von Kroatien bis Griechenland gähnt ein klaffendes Loch in Punkto vertikale Betätigung. Doch wer suchet der findet.

Im folgenden ein paar Gebiete die wir besucht haben:

Montenegro: 

1. Podgorica – Smokovac

(das derzeit wohl beste und grösste Klettergebiet Montenegros), liegt in einem Canyon etwa 5 Kilometer hinter der Hauptstadt. Der gelb orange Fels ist meist versintert und erinnert an Wände wie es sie zum Beispiel in el Chorro in Spanien gibt. Da das Klettern hier noch nicht so lange praktiziert wird sind viele der Routen nur bis dorthin eingebohrt wohin das Kletterniveau gereicht hat. Sprich nach 15-20 Metern ist oft Schluss obwohl die Route noch Potenzial für weitere 10 Meter hätten. Verlängerungen sind alle möglich.

Wir haben auch Kontakt zu einigen lokalen Kletterern gehabt, die alle sehr aufgeschlossen und hilfsbereit sind. Für alle die gerne selber Routen erschliessen wollen oder Infos brauchen sind Sie der Anlaufpunkt. Am besten schaut Ihr einfach mal auf die Seite von Ihnen: http://www.montenegroclimbing.net/en/where-to-climb

Auch der Slowenische Profikletterer Klemen Bečan,hinterließ hier mit zwei Routen seine Spuren. „Neverovatni Dinosuari“ 8b und „Rotor and Wings“ 8b+

Routen: derzeit ca. 80

Topo: bis dato noch nicht vorhanden, Namen und Schwieriegkeit stehen am Einstieg der Routen angeschrieben.

Ausrichtung: westseitig, im Sommer Schatten bis ca. 14.00.

Verhältnisse: es kann im Canyon jedoch sehr heiss werden. Ideal zum klettern ist sicher Frühjahr und Herbst. Zustieg ca. 20 Minuten

Unterkunft: entweder wild kampieren am Fluss oder kleiner Campingplatz unterhalb der Felsen. Man könnte auch direkt am ebenen Wandfuss schlafen.

Sektor gegenüber Tankstelle:

Es gibt einen weiteren kleinen Sektor gegenüber der Tankstelle. Etwa 20 Routen von 5b-7a+.

Ausrichtung: Ostseitig, Nachmittags im Schatten

 

2. Kolasin

Fährt man die Strasse von Smokovac durch den Canyon weiter erreicht man Kolasin, ca. 1,5 h mit dem Auto. Der Schiort liegt in den Bergen und ist im Sommer angenehm kühl. Österreicher haben hier ein paar Routen erschlossen.

Felsqualität variert ziemlich, so ist mir in meiner zweiten Route ein riesiger Griff ausgebrochen (Route Fuck you..). Bin die Route dann nochmal geklettert und ich denke der Grad hat sich deswegen nicht verändert 🙂 Einige Routen sind zudem ziemlich mit Flechten zugewachsen. Am linken Rand sind einige neue Touren dazu gekommen. leider wurde oft auf brüchigem Fels und völlig sinnlos gebohrt.

Topo: topo-kolasin (von flugmeter.info)


 

3. Durmitor – Pirlitor:

Einer der intressantern Klettergärten im Durmitor Nationalpark. Von Italienern erschlossen. Ein Anfänger Sektor (kurze Routen bis 5b) und ein Sektor mit längeren Routen im scharfen, wasserzerfressenem Kalk. Routen sind recht anspruchsvoll.

Ohne 4×4 sollte man sein Auto besser etwas vorher abstellen und den Rest desWeges zu Fuss gehen.

Anfahrt und Topo: Pirlitor


4. Gusinje

An der Grenze zu Albanien gelegener Ort im Prokletje Gebirge. Im Vusanje Tal wurden hier mit Unterstützung der GTZ einige Klettergärten erschlossen.

Wir besuchten den grössten von Ihnen (Ali Pasha), dieser konnte uns jedoch leider nicht überzeugen. Da hier augenscheinlich wenig geklettert wird sind die Routen zugewuchert und auch die Felsqualität kann ich nur als mangelhaft bezeichnen. Ehrlicherweise habe ich nach zwei Routen aufgegeben und bin lieber ein Bier trinken gegangen. Vielleicht sind die anderen Sektoren ja besser.

Uns haben hier sowieso mehr die Berge und das Wandern angezogen.

Topo: Gusinje (Topo von Geoquest Verlag)

 

Exkurs Bosnien und Herzegovina:

Das Gebiet Dreznica, am Weg von Mostar nach Sarajevo bietet netten Fels mit Campingmöglichkeit, direkt über einem Fluss.

Topo: 

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Highway to Hell: Vom Skutarisee nach Gusinje über den Vermosh Pass

Google Maps und TomTom sind sich einig. Der schnellste Weg vom Skutarisee nach Gusinje führt über Albanien. 
Die Strasse hinter der Albanischen Grenze windet sich in engen Kurven den Hani i Hotit Pass, zuerst hinauf und dann wieder hinunter.

Der Strassenbelag ist neu und die Leitblanken glänzen. Am höchsten Punkt gibt es sogar einen gläsernen Aussichtsbalkon von dem man in die 1.000 Meter tiefer liegende Schlucht sehen kann.

Auf einem Schild lesen wir dass die Strasse mit EU Fördergeldern gebaut wird.

Wir denken uns gut und fahren weiter. Schließlich ist es nicht verkehrt für die Anbindung dieser abgelegen Region etwas beizutragen.

Als wir uns unzählige Serpentinen später am Boden des Canyons befinden ragen die steilen Felswände über 1.000 Meter empor und lassen uns am Fusse dieser Berge ganz winzig erscheinen.

Gegenverkehr gibt es in Form von Schafherden oder vollgepackten Eseln, hie und da kommt uns auch ein Geländewagen oder Laster entgegen.

Irgendwann hört der gute Asphalt dann aprubt auf und verwandelt sich in eine Staub und Schotterpiste. Ein Baustellenschild am Fahrbahnrand lässt mich vermuten dass es sich nur um eine kurze Stelle handelt.

Dass dem nicht so ist erfahren wir auf den nächsten Kilometern.

Immer wieder säumen grosse Gesteinsbrocken die Piste, das Wasser und die LKWS haben tiefe Fahrrinnen gegraben. Die Strasse ist unniveliert und des öfteren sitze ich mit meinem Skoda Roomster auf.

Zudem ist die Fahrbahn nur mehr einspurig was oft komplizierte Ausweichmanöver mit den entgegenkommenden LKWS nötig macht.

Da wir uns nun wieder mühsamst aus dem Talboden herauswinden wird der Abgrund an der linken, unbefestigten Fahrbahnseite auch immer größer.

Laut TomTom sollten wir unser Ziel in weniger als dreißig Minuten erreichen in der Realität sind es drei Stunden.

Als wir um 19.10 in Lepushe, einem Albanischen Dorf auf 1.260m Höhe ankommen entschließen wir uns dort zu nächtigen.

Für unser eigentliches Ziel Gusinje, welches nur mehr 15km entfernt ist brauchen wir am nächsten Tag auch noch anderthalb Stunden. Nach der Montenegrinischen Grenze wird die Strasse zumindest wieder asphaltiert.

Fazit:

1. Auch die beste Strasse hat einmal ein Ende.

2. Trau weder TomTom noch Google.

3. Wer in Albanien einen 4×4 hat, hat gewonnen.

Der gute Teill…

…und der schlechte