Klettern im Gschnitztal – die Blaue Sau, VIII-

37 Grad in Innsbruck und ein halber Tag Zeit. Chris und ich versuchten der Hitze zu entrinnen und mal wieder eine Mehrseillänge zu machen.

Die Blaue Sau hatte ich schon länger auf der Liste und heute war es dann endlich so weit. Um ca. 8.00 starten wir vom Parkplatz steil den Wald hinauf Richtung Schmurzwände. Welch klangvoller Name 🙂

Obwohl es recht früh war und schattig merkte man bereits die tropischen Temperaturen. Ob wohl bald Palmen wachsen im Gschnitztal?

Um kurz nach neun stieg Chris verschwitzt in die erste Seillänge. Diese führt über eine kurze, steile Wand und ein paar grasigen Bändern zum Stand. Der Fels ist nicht immer vertrauenserweckend aber das Gras hält 🙂

In der zweiten Seillänge verhaute ich mich kurz zu weit nach links und landete in der Originalvariante. Diese wurde aber lt. Erstbegehern nicht empfohlen. Also kurz wieder zurück klettern und auf die richtige Linie. In steiler Kletterei durch gelblichen Fels zum Stand.

Die 3. Seillänge fiel wieder an Chris und war mit 45 Metern 7+ und recht spärlicher Absicherung gleich eine recht harte Nuss. Ein leicht überhängender, cleaner Riss führt zu schwarzen Platten. Hier heisst es Nerven bewahren.

Die 4. Länge war mit VIII- die nominelle Schlüsselänge. Hier stecken mehr Bohrhaken als in der vorigen Länge. Geschenkt wird einem aber auch hier nichts und zwischen den Haken muss man sauber klettern. Hier werden die Unterarme dann definitiv blau 🙂

Lässige Bewegungen auf dem schwarzen leicht abschüssigen Fels. Nicht immer einfach zu lesen.

Nach dieser Seillänge mussten wir aus Zeitgründen leider schon wieder abseilen weil wir uns mit dem Zeitbedarf etwas verkalkukiert hatten und um 14.00 wieder retour sein mussten.

Schade, da uns die letzten 2 Seillängen natürlich auch noch gereizt hätten.

Fazit: Interessante Tour in der näheren Umgebung. Durch die Nord Ausrichtung perfekt im Sommer. Wer eine Plaissirtour erwartet wird jedoch nicht glücklich werden. Trotz Borhaken eher ein alpines Abenteuer das man sich erarbeiten muss.

Gratulation den beide Erstbegehern!

Abenteuer Piz Badile – Besteigung der 3.308 Meter hohen Nordostwand durch die Cassin Route

Der Piz Badile ist sicherlich einer der beeindruckendsten Berggestalten der Ostalpen. Ein Granit Monolith der über dem Val Bregaglia oder zu Deutsch dem Bergell in den Himmel ragt.

Dieser dunkle Granitriese, mit seiner fast 1.000 Meter hohen Nordwand sieht wie eine abweisende Bastion aus einem Herr der Ringe Film aus. Nur der Kletterer wird sogleich nach den Schwachstellen in diesen teflonartigen Wänden suchen. Düster und eindrucksvoll ragt der Koloss aus dem weißen Gletscher empor.

Die dramatische Begehungsgeschichte der Nordostwand hat über Jahrzehnte den Nimbus dieses schwarzen Granitmeeres geprägt.

Riccardo Cassin war es der 1937, in einer dreitägigen Odysee, dieser Wand die Erstbegehung abringen konnte. Nach einem Wettersturz, der die Wand in Schnee und die Ausstiegskamine in Eis tauchte, starben zwei seiner Mitstreiter am Gipfel an Erschöpfung.

1952 setzte Hermann Buhl den nächsten Streich. Er fuhr von Landeck aus mit dem Fahrrad durch das Engandin (ca.160km) und stieg aus dem Val Bondasca zur Sasc-Furä Hütte auf. Um 4.00 morgens startete er die erste Solo Begehung der Cassin Route und war gegen 11.00 am Gipfel wo ihn italienische Bergsteiger empfingen die seinen Alleingang gesehen hatten.

Heutzutage ist die Route eher ein Alpines Must Have als eine abschreckende Nordwandtour. Die Stände wurde mittlerweile mit Ringen versehen und in den Seillängen steckt der ein oder andere Haken. Die Gesamtanforderung der Tour sollte man aber nicht unterschätzen. Aus meiner Sicht ist die Hauptgefahr, das an schönen Tagen leicht 15 Seilschaften in der Tour sein können und man dann schnell im „Stau“ steckt. Das ist alles andere als ideal weil die 21 Seillängen doch ein schnelles und sicheres Steigen verlangen. Wetterstürze sollte man tunlichst vermeiden.

Planung:

1. Tag: Anreise und Zustieg zur Sasc Füra Hütte.

2. Tag: Klettern und Abstieg zum Rifugio Gianetti.

3. Tag: Rückweg von der Gianettihütte über den Truinascapass.

Anreise: Über den Malojapass ins Val Bondasca. Genauer nach Bondo. Im Ort am besten bei der Bar „Crot da Bond“ parken.

Zustieg: Im Sommer 2025 war der alte Zustiegsweg durch das Val Bondasca aufgrund des Bergsturzes offiziell immer noch gesperrt. Wir wählten deshalb den „neuen“ langen Weg zur Sasc Furä Hütte. ca. 5-6 Stunde und 1.380 Höhenmeter. Ab Juli 2026 ist der auch der Zustieg offiziell wieder über das Val Bondasca möglich. Siehe hierzu: https://www.sac-cas.ch/de/huetten-und-touren/sac-tourenportal/2147000235/mountain_hiking/99/

Abstieg: Wir wählten den Abstieg auf die italienische (Süd)- Seite zur Gianettihütte. Man steigt den Normalweg ab und muss ein paar Mal abseilen. Aus unserer Sicht die bequemste und sicherste Variante. Ein Abseilen über die Nordkante ist möglich aber deutlich risikoreicher.

Rückweg: Wenn man auf der italienischen Gianettihütte übernachtet hat man einen wunderschönen Rückweg über eine alpine, ursprüngliche Landschaft. Man überquert den Passo Porcellizzo und den Passo Trubinasca und gelangt so zurück zu Sasc Furä Hütte. Insgesamt ca. 2000Hm Abstieg.

Klettern/ Ausrüstung: Halbseile, ein Satz Friends und Keile. Es gibt im unteren Teil ein paar Varianten zb. die Original Cassin Variante (die wir wählten). Ansonsten ist die Wegfindung recht einfach. Unterschätzen sollte man auch nicht die Ausstiegskamine die durch die ungewöhnliche Kletterei in parallelen Granitkaminen eine Herausforderung darstellen können.

Sonstige Tipps: Schnell klettern, früh starten und nicht am Wochenende kommen 🙂

TOPO: