Großglockner – Südwandwächter

Lukas hatte die Idee am Großglockner die Route Südwandwächter zu probieren. Erstbegangen von Vittorio Messini und Matthias Wurzer im April 2016 zieht die logische Linie auf der Südseite des Glockners durch steile Rinnen, Eisaufschwünge und Mixed-Passagen in Richtung Gipfel.

Im Internet findet sich nicht sehr viel Information zu der Route und den aktuellen Bedingungen. Wir versuchten trotzdem unser Glück.

Am Anfang zieht eine steile, ca. 250 Meter lange Rinne durch die Wand die nach oben hin immer steiler wird und eine kurze Blankeis Passage beinhaltet. Bis hierher gingen wir ohne Seil, für den erwähnten Eis Teil wäre ein Anseilen jedoch nicht schlecht.

Ein Stand an Normalhaken an der linken Seite markiert den Einstieg zu ersten „richtigen“ Seillänge. Aus den anderen Berichten erwarteten wir hier einen relativ kurzen Eisaufschwung. Bei uns war leider mehr Schnee als Eis vorhanden den man auch erstmal abräumen musste. Anschließend war eine kurze, knackige Mixedpassage zu überwinden die in eine steile Rinne mündet. Auch hier musste sich Lukas als Schneefräse betätigen um sich einen Weg zu bahnen.

Die Rinne verengt sich nach oben hin immer mehr und mündet in einen engen Kamin mit dünner Eisglasur an den Seiten wo man kaum Platz zum schlagen des Eisgerätes fand. Hier bezogen wir Zwischenstand.

Ich durfte die nächste Länge wieder vor steigen welche einen nicht sehr einladenden (zumindest für meinen Geschmack 🙂 ) Anblick bot. Über eine Art dünne Säule erreicht man einen steilen Eisschild der schließlich wieder in eine steile schneebedeckte Rinne endet.

Auch hier konnte ich mich wieder als Wühlmaus betätigen und Lukas bekam eine Spinndrift Dusche par excellence. Der Grundlose Schnee kostete mich einiges an Nerven, Überwindung und Zeit. So war ich umso erleichterter als ich nach ca. 30 Metern wühlen am rechten Rand der Rinne eine Reep Schnur erblickte die mit zwei Schlaghaken verbunden den Stand und das Ende der Länge markierte.

Der Schnee und die Bedingungen sorgten dafür, dass wir schon recht viel Zeit verbrauchten bis hierher. Die nächste Mixed Länge nahm dann Lukas noch in Angriff aber nach der Hälfte entschieden wir uns aufgrund des fortgeschrittenen Tages und der ungewissen Bedingungen im oberen Bereich abzubrechen und abzuseilen.

FAZIT: Bestimmt eine tolle und anspruchsvolle Tour welche meiner Ansicht nach aber noch bessere Bedingungen braucht oder vielleicht einen erfahreneren Mixed Kletterer und einen früheren Start um Sie genießen zu können. Auf die leichte Schulter sollte man das ganze nicht nehmen. Die Stände sind mit Schlaghaken ausgestattet, dazwischen hat man selber für die Absicherung zu sorgen. Mobile Sicherungsmittel für Fels und Eis sowie ein Satz Haken werden benötigt.

Nachtrag vom 05.03.22

Stüdlhütte
gut erkennbar die Rinne in der Wandmitte
Blick in die Wand
das Gletscherbecken
die Linie
stapfen, stapfen
der erste Aufschwung
die Wühlmaus Rinne
Blick zurück
kurz vor dem Stand
Anfang des Mixed Geländes, zuerst links dann rechts
Blick zurück auf das dünne Eis beim abseilen
die Eisglasuren davor

Eisklettern in der Brenta – La via que non c’é

La via que non c’é – Der Weg den es nicht gibt, heißt deswegen so weil er sich nicht jedes Jahr gleich formt bzw. es ihn in manchen Jahren gar nicht gibt. Heuer hat sich das Eis aber wunderbar formiert und so ist es auch für einen drittklassigen Eiskletterer wie mich ein Genuss die Tour zu machen. Nicht zuletzt wegen der wunderbaren Gegend und dem wilden Ambiente in der Brenta.

Eine neue Herausforderung stellt diese Art der alpinen Eiskletterei alle mal da. Gilt es doch nicht nur das gefrorene Nass durch wilde Pickelschläge zu erklimmen sondern auch andere alpine Techniken einzusetzen.

Wir steigen Samstag Nachmittags gemütlich zum Rifugio Tuckett von wo wir dann am Sonntag in der Früh um ca. 6.30 in Richtung Einstieg taumeln. Die Ski zum Zusteigen kann man getrost daheim lassen (danke für den Tipp Sofia!)

Wir sind zusammen mit einer italienischen Dreierseilschaft die einzigen die am Samstag im Winterraum der Hütte übernachten. Die Italiener sehen wir auch nur mehr kurz als Sie zusteigen, da sind wir aber schon in der 2. SL.

Lukas hängt die ersten zwei Seillängen gleich zusammen und so geht es schnell weiter. In der vierten Seillänge kommt dann die Kerze welche heuer aber auch kein zu großes Hindernis darstellt. Danach geht es über schön gestuftes Gelände und ein paar Aufschwünge in Richtung Headwall.

Dort kommen nochmals drei schöne Eislängen die auch relativ steil sind bevor es in die Ausstiegs Mixed Länge geht. Diese führt durch teilweise etwas brüchiges Gemäuer nach oben.

FAZIT: tolle Kletterei in einem wilden Ambiente. Aufgrund des Andrangs besser nicht Samstags einsteigen.

kurz vor dem Rifugio Tuckett
die Hütte
Ambiente
links ist die Linie deutlich sichtbar
Morgenstimmung
Lukas vor dem Einstieg
in der ersten Seillänge
am Beginn der dritten Seillänge
Blick zurück
im Vorstieg in der letzten Eislänge
kurz vor dem Stand
die Mixed Länge
Juhu der Gipfel
Blick nach Süden
Monte Caré Alto
Übersicht der Route und des Zustiegs
am Rückweg