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Archive for ‘Juli, 2019’

Dolomiten – Kleine Zinne – Perlen vor die Säue

Die Redewendung „Perlen vor die Säue werfen“ stammt aus der Bibel. Im Evangelium nach Matthäus heißt es: „Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben und eure Perlen nicht vor die Säue werfen, auf dass sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen.“

Wahrscheinlich haben Kurt Albert und Stefan Glowacz diesen Namen nicht ganz ohne Grund gewählt. Im alpin Mekka der drei Zinnen war eine Tour mit Bohrhaken im Jahr 1996 etwas neues und sicher nicht von allen gleich willkommen.

Im Jahr 2019 jedenfalls machen wir uns darüber keinen Gedanken mehr und erfreuen uns an der großartigen Linie durch die steile Südwand der kleinen Zinne. Die Absicherung ist gut wenngleich nicht immer wie im Sportklettergarten. Man muss immer wieder beherzt weg steigen und kann bei einem Abgang schon ein paar Flugmeter sammeln.

Der gelbe Fels lässt sich gut klettern und bietet abwechlungsreiche Strukturen. Es sind auch nicht die Einzelstellen welche die Route anspruchsvoll machen sondern die Gesamtheit der 9 Seillängen wobei 7 im achten Grad und zwei im oberen siebten Grad angesiedelt sind. Gefühlt waren einfach alle Längen pumpig und steil wobei die vierte Länge 7a+ mit 40m fast die schwierigste und ausdauerndste ist.

TOPO:

Topo Perlen vor die Säue

Topo Perlen vor die Säue – PDF Format

1.SL: 7a, 30m, rechts der Bolts etwas feiner zum einsteigen als links, dann Leistenkletterei

2.SL: 7a+, 30m,

3.SL: 6c, 20 m, zuerst gerade dann rechts haltend einen Quergang zu bequemen Stand

4.SL: 7a+ , 40m, der Ausauerhammer, am Anfang ist ein Dach zu überwinden danach gehts punpig weiter

5.Sl: 7a, 25m,

6.Sl: 7a+, 30m, schwere rechts, links Schleife im Mittelteil, überhängend

7. Sl: 6c, 30m, „nur“ 6c aber extrem pumpig. Über ein weiteres Dach rechts haltend. relativ gute Griffe

8. Sl: 6c, 30m, nicht mehr so überhängend wie zuvor dafür ein kurzer aber knackiger Leistenzug im ersten Drittel danach leichter.

9. Sl: 6b+?, 15m, gerade durch das 3m Dach, Von unten siehts unmöglich aus, die Griffe sind jedoch gut und falls noch etwas Saft vorhanden ist gehts in Bouldermanier über die Dachkannte.

10.+11.Sl: haben wir nicht mehr gemacht. Sind leichter aber alpin und zum selber absichern. Allerdings habe ich vom letzten Stand noch einen Borhaken erspäht also eventuell doch ausgerüstet mit Bolts?

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kleine Zinne, im hellen gelben Fels an der rechten Seite verläuft die Route

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im oberen Bereich, steil und ausdauernd bis zum Schluss

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immer leicht überhängend an Leisten, Seitgriffen und Löchern gehts aufwärts. Wer die Route RP klettern möchte sollte schon eine gute Ausdauer mitbringen.

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trotz Südausrichtung waren wir an diesem Tag über unsere Jacken froh da es doch ziemlich abgekühlt hatte. Immerhin ist die kleine Zinne auch noch 2.857m hoch.

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die Auronzohütte

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in der ersten Seillänge. Hier muss man auch schon ordentlich zupacken, die Finger sollten also aufgewärmt sein

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Dolomiten, Piccolo Lagazuoi, Westwand, Maurizio Speciale, V+

Vom Charakter her ganz anders wie die Ultima Tule. Alpin ohne Bohrhaken und mit vielen Sanduhrschlingen.

Die Tour verläuft im mittleren Bereich des kleinen Laguzoi durch einen weithin sichtbaren schwarzen Felsstreifen. Durch diesen schwarzen Bereich führt die 2. bzw. 3. Seillänge, je nachdem wo man den ersten Stand macht. In einigen Topos ist die 1. Und 2. Seillänge zusammengeführt. Wir haben jedoch einen Zwischenstand gemacht.

Der schwarze, steile Felsstreifen sieht aus der Ferne betrachtet eher glatt und plattig aus. Umso erfreuter waren wir als sich herausstellte, dass der wasserzerfressen Fels mit jeder Menge Löchern, Leisten und Henkeln gesprenkelt ist. Somit lässt es sich trotz Steilheit der Wand im V Grad zwar ziemlich pumpig aber mit guten Griffen nach oben klettern. Wirklich eine schöne Linie wurde hier bei der Erstbegehung 1986 gefunden!

Die Route erfordert einiges an Eigeninitiative bei der Absicherung, vor allem in Form von Sanduhrschlingen. Am besten einige 60 cm Bandschlingen, noch besser Kevlarschlingen mitbringen. Es finden sich immer wieder gute Möglichkeiten diese anzubringen. Vor allem in der dritten Seillänge sind auch einige fixe Schlingen vorhanden. Friends und Stopper lassen sich auch einsetzen, man muss aber nach geeigneten Stellen Ausschau halten. In den Löchern halten die Friends nämlich oft nicht sehr gut. Da wir genau eine Seilschaft vor uns hatten haben wir auch dreimal einen eigenen Stand bauen müssen was in dem Felsen relativ gut möglich ist.

Vor den beiden letzten schweren Seillängen gibt es die Möglichkeit über ein Band aus der Tour auszuqueren. Das haben wir auch gemacht da es kurz zu regnen anfing und die Wolken sich immer mehr verdichteten. Ein Grund mehr nochmals zurück zu kommen und auch die letzten Seillängen anzugehen.