Highway to Hell: Vom Skutarisee nach Gusinje über den Vermosh Pass

Google Maps und TomTom sind sich einig. Der schnellste Weg vom Skutarisee nach Gusinje führt über Albanien. 
Die Strasse hinter der Albanischen Grenze windet sich in engen Kurven den Hani i Hotit Pass, zuerst hinauf und dann wieder hinunter.

Der Strassenbelag ist neu und die Leitblanken glänzen. Am höchsten Punkt gibt es sogar einen gläsernen Aussichtsbalkon von dem man in die 1.000 Meter tiefer liegende Schlucht sehen kann.

Auf einem Schild lesen wir dass die Strasse mit EU Fördergeldern gebaut wird.

Wir denken uns gut und fahren weiter. Schließlich ist es nicht verkehrt für die Anbindung dieser abgelegen Region etwas beizutragen.

Als wir uns unzählige Serpentinen später am Boden des Canyons befinden ragen die steilen Felswände über 1.000 Meter empor und lassen uns am Fusse dieser Berge ganz winzig erscheinen.

Gegenverkehr gibt es in Form von Schafherden oder vollgepackten Eseln, hie und da kommt uns auch ein Geländewagen oder Laster entgegen.

Irgendwann hört der gute Asphalt dann aprubt auf und verwandelt sich in eine Staub und Schotterpiste. Ein Baustellenschild am Fahrbahnrand lässt mich vermuten dass es sich nur um eine kurze Stelle handelt.

Dass dem nicht so ist erfahren wir auf den nächsten Kilometern.

Immer wieder säumen grosse Gesteinsbrocken die Piste, das Wasser und die LKWS haben tiefe Fahrrinnen gegraben. Die Strasse ist unniveliert und des öfteren sitze ich mit meinem Skoda Roomster auf.

Zudem ist die Fahrbahn nur mehr einspurig was oft komplizierte Ausweichmanöver mit den entgegenkommenden LKWS nötig macht.

Da wir uns nun wieder mühsamst aus dem Talboden herauswinden wird der Abgrund an der linken, unbefestigten Fahrbahnseite auch immer größer.

Laut TomTom sollten wir unser Ziel in weniger als dreißig Minuten erreichen in der Realität sind es drei Stunden.

Als wir um 19.10 in Lepushe, einem Albanischen Dorf auf 1.260m Höhe ankommen entschließen wir uns dort zu nächtigen.

Für unser eigentliches Ziel Gusinje, welches nur mehr 15km entfernt ist brauchen wir am nächsten Tag auch noch anderthalb Stunden. Nach der Montenegrinischen Grenze wird die Strasse zumindest wieder asphaltiert.

Fazit:

1. Auch die beste Strasse hat einmal ein Ende.

2. Trau weder TomTom noch Google.

3. Wer in Albanien einen 4×4 hat, hat gewonnen.

Der gute Teill…
…und der schlechte

Montenegro: Skutarisee/ Skadar Lake

In etwa drei Stunden kann man alpine Bergwelt gegen mediterranes Ambiente tauschen wenn man von Zabaljak nach Petrovac fährt.
Montenegro bietet auf kleiner Fläche eine Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume.

Wir fahren zum Autokamp Maslina, in der Nähe von Petrovac. Der lange Kiesstrand hat auf Google Maps einen guten Eindruck hinterlassen.

In der Realität muss man ein paar Abstriche machen. Direkt hinter dem Strand befindet sich ein Wohnwagen Park und ein kleiner Fluss entwickelt ähnliche Gärgerüche wie eine Kläranlage.

Schade weil die Bucht, die links und rechts von grossen Felsen umschlossen ist, sonst sehr malerisch wirkt.

Am nächsten Tag fahren wir weiter, zum Strand von Petrovac, machen jedoch gleich kehrt als wir ein Meer von Sonnenschirmen und Liegen erblicken.

Auf der Suche nach mehr Abgeschiedenheit werden wir bei „Katun Rezevici“ fündig. Die Bucht ist zwar auch nicht abgeschieden aber auf der rechten Seite, wo der Kiesstrand mit grossen Felsblöcken gesäumt ist finden wir unter einem Kalkmonolithen ein schattiges Plätzchen.

Das glasklare, türkisblaue Meer eignet sich gut zum Schnorcheln und ich finde sogar einen Felsen an dem ich ein paar Traversen über dem tiefblauen Wasser ziehen kann.

Einziger Wermutstropfen, bleibt eine riesige Hotelruine am linken Ende der Bucht. Nie fertiggestellt, bröckelt der Betonkasten vor sich hin und verschandelt die Landschaft.

Blickt man über diese Tatsache hinweg findet man hier ansonsten einen relativ ruhigen Strand der noch nicht komplett mit Sonnenliegen zugepflastert wurde.

Von unserem Strand machen wir uns auf den Weg in Richtung Skutarisee. Vorbei geht es an der Touristenhochburg Budva, wo vornehmlich Russen und Ukrainer Körper an Körper am Strand picken oder auf Jetskis über die Wellen jagen. Auch die Luxusurlaubsinsel „Sveti Stefan“ lassen wir links liegen.

Unser Ziel heisst „Karuc“ und ist im Navi leider nicht zu finden. So machen wir ein paar kleine Umwege über Strassen wo der Asphalt langsam wieder von der Natur zurück gewonnen wurde.

Irgendwann stehen wir verloren in einem kleinen Weingut und müssen nach dem Weg fragen.

Der einzige der Englisch spricht ist der alte Grossvater „George“ der Seemann war und uns sehr hilfsbereit den richtigen Weg beschreibt. Zudem lädt er uns noch auf einen „Campari“ ein der sich schliesslich als selbst gemachter Kirschlikör entpuppt. Und es bleibt nicht bei einem, als er zum vierten Mal nachschenken möchte lehnen wir dankend ab. Immerhin ist es schon nach sieben und wir wollen doch noch nach „Karuc“ wo wir ein Apartment gebucht haben.

Ein paar Zwiebel aus eigen Anbau bekommen wir noch mit auf den Weg und der Schwiegersohn eskortiert uns noch mit seinem Auto zur Richtigen Abzweigung. Wenig später erreichen wir doch noch unsere Ziel „Karuc“.

So viel Herzlichkeit überwältig uns.

Auch unsere Unterkunft gefällt uns. „Karuc“ ist eigentlich ein kleiner Weiler direkt an den Ausläufern des Skutarisees. Abgelegen und untouristisch.

Seerosen und Schilf bilden grüne Inseln im See. Unser Apartment ist in einem alten Steinhaus das sich an das Ufer schmiegt und mit wildem Wein zugewachsen ist. Feigenbäume spenden Schatten.

Von der unteren Terrasse kann man direkt in den See hinaus schwimmen.

Das Abendessen besteht, wie könnte es anders sein aus frisch gefangenem Seefisch. Fischsuppe und die frittierten Karpfen sowie Forellen sind köstlich.

Schade dass wir morgen schon wieder fahren!

Das mysteriöse Ostrog Kloster in der Nähe von Nickšić
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George, Esel, See und Ich
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Küste Montenegro
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Das mysteriöse Ostrog Kloster in der Nähe von Nickšić
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„Karuc“