Klettern in Rodellar, Spanien: Perfektes Kletterparadies am Fuße der Pyrenäen

Klettern in Rodellar, Spanien: Perfektes Kletterparadies am Fuße der Pyrenäen

Will man im Sommer zum Klettern nach Spanien fahren, bietet sich das am Fuße der Pyrenäen gelegene Klettergebiet in der Provinz Aragon an.

Als Zielflughäfen bieten sich Girona (Ryanair) oder Barcelona an. Ebenfalls möglich wäre Zaragoza. Von Girona sind es mit dem Mietauto ca. 4 Stunden. Wahlweise gibt es auch einen Bus nach Barbastro. Von dort kann man ein Taxi nach Rodellar nehmen und ist in einer Stunde im Gebiet.

Radek in der Route „El Sepes“ in der Gran Boveda. Im Hintergrund Rodellar.

Namensgebend für das Klettergebiet ist der kleine Ort am Ende der Straße. Dieser besteht aus einigen kleinen Steinhäusern, ein paar Bars und Restaurants, einem Campingplatz sowie dem Refugio Kalandraka. Welches eindeutig der beliebteste Treffpunkt für Kletterer aber auch allen anderen Besuchern in Rodellar ist.

Die Sektoren in Rodellar verteilen sich über einen Canyon, dem Canyon de Mascun. Die Ausrichtung der Felsen ist deshalb vorwiegend Ost und West, was ein ganztägiges Klettern im Schatten möglich macht, wenn man die Seiten entsprechend wechselt.

Der Delfin mit dem Überhang von Surgencia rechts

Über Mittag wird es dann im Sommer aber doch sehr heiß, Temperaturen über 30 Grad sind keine Seltenheit. Hier bietet sich für eine Abkühlung dann der kleine Fluss, der sich durch den Canyon schlängelt, an. Immer wieder gibt es Gumpen am Fluss, die sich perfekt zum Baden eignen. Wenn es am Abend wieder kühler wird, kann man sich in einen der nun schattigen Sektoren wie z.B. der Gran Boveda weiter austoben.

Erfrischung gefällig?

Die bekanntesten Sektoren sind sicher Las Ventanas, mit der überhängenden Route El Deflin, 7c+, Surgencia mit einem riesigen Überhang und La Boveda, wo steile Sinterkletterei dominiert. In der Gran Boveda sollte man die Route L’Any Que Ve Tambe, 7c nicht auslassen. Wenn man vorher noch keine Knieklemmer konnte, hier wird man es lernen. Generell sind Kneepads schon recht empfehlenswert in Rodellar. Auch „El Sepes 8a“ ist ein Superklassiker in der Boveda. Wers noch schwerer will sollte „Colisuem 8a“, „Gladiator 8b“oder „Geminis 8b+“ probieren.

Sektor las Ventanas, zu deutsch die Fenster

Generell gibt es in Rodellar eine hohe Dichte an Routen im achten Franzosengrad, also 8a bis 8c. Ebenso gibt es viele Routen zwischen 7a und 7c. Darunter wird es schon etwas schwieriger, aber einige 6b, 6c finden sich dann doch auch immer wieder. Die Kletterei ist meistens stark überhängend und erfordert einiges an Kraft, wie zum Beispiel in den Sektoren Boulder de Jon und Egocentrismo. Die Route Pequeno Pablo ist auch eine Klasse für sich im Grad 7a+. Zuerst ein Bouldereinstieg und anschliessend Henkel schwingen im Überhang.

Steve in einer steilen Route im Sektor Boulder de Jon

Ich hatte nur ein 60 Meter Seil dabei, um etwas Gewicht beim Fliegen zu sparen. Dieses reicht auch für einen Großteil der Routen, will man aber flexibler sein, empfiehlt sich doch ein 70 bzw. 80 Meter Seil.

am rechten Rand der Gran Boveda

Mit letzterem kann man auch die langen Routen z.B. im Sektor Laperne (der Sektor genau gegenüber der Terrasse vom Kalandraka) klettern. Die Route „La Cecilia de Sevilla“ 7a+ ist so eine lange Tour. Bei Hitze fühlt sie sich auch nicht gerade geschenkt an mit einer knackigen Stelle in der Mitte und recht sportlichen Hakenabständen.

Ein schnell zu erreichender und sehr beliebter Sektor ist auch Café Solo. Die Route Café con Leche ist wohl eine der schönsten 7bs die ich in Rodellar geklettert bin. Ebenfalls empfehlenswert die Route Monica, 7b mit einer harten Boulderstelle am Ende. Oder die überhängende Brumisatore, 8a.

Die Klettercommunity in Rodellar ist sehr international und aufgeschlossen. Neben, natürlich vielen Spaniern, trifft man Leute aus der ganzen Welt. Zum Beispiel Amerikaner, Brasilianer, Schweizer, Deutsche, Argentinier etc. Es waren auch viele Solo Traveller unterwegs, von daher findet man auch alleine schnell einen Kletterpartner. Das macht auch irgendwie das Besondere an solchen internationalen Kletterpsots aus, neue Leute kennenzulernen, sich auszutauschen und sich mal mit ganz anderen Charakteren zu umgeben.

Wenn man alleine unterwegs ist, bietet sich das Refugio Kalandraka an. Dort gibt es geteilte Zimmer zu einem günstigen Preis und man lernt schnell Leute kennen.

Ansonsten gibt es noch das Aparthotel und den Campingplatz Mascun. Etwas weiter entfernt ist der Campingplatz El Puente (ca. 20 Minuten).

Für Ruhetage bieten sich verschiedene Aktivitäten an. Einerseits kann man eine Canyoning Tour machen, oder man erkundet die Schlucht und das Umland. Eine schöne Wanderung führt von Rodellar nach Otín, einem kleinen verlassenen Ort.

Wer Abwechslung möchte, kann auch die Provinzstadt Huesca (ca. 50.000 Einwohner) bzw. die Hauptstadt Zaragoza (ca. 600.000 Einwohner) besuchen. Besonders letztere bietet mit der Basilika de Pilar und der Kathedrale auch etwas für kulturell Interessierte. Zudem gibt es in der Altstadt viele gute Tapas-Bars.

Basilika El Pilar in Zaragoza

Wer vom Sportklettern genug hat und sich nach höheren Bergen sehnt, dem sei ein Besuch der nahegelegenen Pyrenäen empfohlen. Eine Besteigung des Monte Perdido bzw. des Pico Aneto (3.404m) bieten einen guten Kontrast zum Sportkletteralltag.

Gipfel des Aneto links

LINK KALANDRAKA: https://www.refugio-kalandraka.com

Dolomiten – Sommer 2023

Die Dolomiten sind für mich seitdem ich Sie kenne immer wieder ein Ort der Sehensucht an den man zurückkehren möchte. Es sind nicht nur die Klettertouren sondern das gesamte Ambiente das eine Anziehungskraft ausstrahlt. Die grünen sanften Wiesen, das Blau des Himmels und dazwischen die schroffen Felsen die daraus empor ragen.

Man sollte eigentlich nicht in die Dolomiten fahren um Routen abzuhaken, sondern sich darauf Besinnen, dass diese ursprüngliche Landschaft einzigartig ist. Gewachsen aus dem Ur-Meer Tetys waren die Dolomiten einst wirklich Korallenriffe. Durch das Aufeinandertreffen der afrikanischen Bodenplatte mit der Europäischen hoben sich die Berge. Durch die Verwitterung des Gesteins nahmen Sie ihre heutige Form an.

Als Kletterer erfährt man diese Millionen Jahre alten Strutkturen tatsächlich „hautnah“. In diesem Ozean aus Stein ist man nur ein kleiner Punkt der sich festzuhalten versucht. Was manchmal gar nicht gelingt, wenn z.B. ein Stein ausbricht uns sich dann Millionen von Jahren verabschieden und auf den Boden zuschiessen.

Manchmal muss man gegen die Wogen dieses steineren Meeres in Form von Übrhängen, Bäuchen oder Verschneidungen ankämpfen.

Im September wurden bei perfektem Wetter noch einige Dolomitenklassiker geklettert (oder abgehakt:) ?).

Hier eine kurze Auflistung der Touren:

  1. Burgstallkante, Schlern, V+ (leichte Genusstour auf den Schlern)
  2. Sysiphos, Langkofel Nordostwand, VI+, 700 Meter (tolle lange Route auf das Langkofel NO-Eck, relativ neu. Die Tour hat drei Abschnitte. Zuerst einige steile Verschneidungslängen dann lange graue Platten und schließlich wieder steiler im grauen Fels.)
  3. Oltre la Porte, Brunecker Turm, 6c+ (schöne alpine Sportklettertour am Brunecker Turm)
  4. Messner, 2. Sellaturm, VI- (Klassiker am 2. Sellaturm, alpine Absicherung mit einigen Sanduhrschlingen)
  5. Don Quixote, Marmolada Südwand, VII, 800 Meter (Klassiker an der Marmolada Südwand, sehr beliebt und wohl die am häufigsten wiederholte Tour an der Marmolada. An den Ständen kann es sich stauen. Zügiges Klettern wenn man die Bahn erwischen will. Einige schöne Seillängen und tolle Ausgesetzheit im oberen Teil)
  1. Fiames Kante,Punta Fiames, V, 450 Meter (Genusstour kurz vor Cortina)
  2. Constantini-Apollonia (Pilastro), Tofana, VII+, 600 Meter (steiler Klassiker an der Tofana. In der Wandmitte finden sich die zwei Dächer die man in steiler Kletterei überwindet. Auch der Maultierrücken will erst erklettert werden bevor man sich den roten Punkt abholen kann.)
  3. Via Finlandi, Cinque Torri, 6b, (kurze, aber steile und schöne Tour an den Cinque Torri, gebohrt aber mit alpinem Touch. Lässt sich gut mit den anderen Touren hier kombinieren)
  4. Comici, Grosse Zinne Nordwand, VII, 500 Meter (ultimativer Klassiker in der Zinnennordwand, sehr beliebt, frühes aufstehen lohnt sich)
  5. Spigolo Strobel, Rochetta Alta di Bosconero, VII, (ein ruhigeres Dolomiteneck, das Rifugio di Bosconero ist einzigartig, eine urige kleine Hütte welche von einer Familie bewirtschaftet wird, die Touren sind trotzdem sehr geschichtsträchtig und auch Klassiker, wenngleich nicht so bekannt wie die Zinnentouren. Die Klassiker sind allesamt sehr alpin und erfordern einen sicheren Umgang mit mobilen Sicherungsmitteln und das Umsichitge steigen in abschnittsweise nicht immer bombenfesten Fels. der Abstieg von der Rochetta hat es auch nocheinmal in sich)
  6. Navasa, Rochetta Alta di Bosconero; VII-, 650 Meter (auch ein Klassiker welcher im Rabanser Führer enthalten ist. Viele Kletterer steigen nach der 15. SL aus. Im Rabanser Führer sind aber noch einige Seillängen bis zum „Gipfel“ eingezeichnet. Speziell die letzte Seillänge ist laut Topo aus dem Führer nicht einfach zu finden. Es gibt kein fixes Material mehr und die Routenfindung ist absolut nicht eindeutig. Zudem ist der Fels schlecht und wenig abgeklettert. Mir brach in dieser letzen Seillänge ein Griff aus der mir einen Pendelsturz auf ein Band bescherte. Danach liesen wir es gut sein und stiegen nach links zu einem Kamin und diesen hoch bis zum Abstieg)
in der Via Finlandia
Meer aus Stein in den Platten der Sysiphos
Im Vorstieg in der Grill Variante der Don Quixote an der Marmolada
einfach eine grandiose Landschaft
am Stand nach der ersten Dachlänge im Pilastro an der Tofana
das zweite Dach
das heimelige Rifugio di Bosconero
Quergang in der Navasa
beim Zustieg zur Rochetta Alta
im Spigolo Strobel
im oberen Teil des Spigolo
derselbe Quergang
Tiefblicke in eine Verschneidungslänge, ebnfalls in der Route Navasa
im Abstieg an der Rocchetta Alta