Renata Rossi VI+ Colodri – Arco

Eigentlich hatten wir nicht gedacht, dass wir an diesem Tag eine tolle MSL machen werden nachdem es am Abend zuvor geregnet hat und auch noch in der Früh alles Wolkenverhangen und Trüb war.

Von einem Freund wusste ich jedoch, dass die Routen am Colodri teilweise sogar bei Regen geklettert werden können.

Gesagt, getan fahren wir mit dem Auto die Strasse zum Campingplatz entlang und machen uns erst einmal unser eigenes Bild. Der Asphalt immer noch nass, lässt die Hoffnungen schwinden. Doch ein Blick auf die Wand zeigt, dass diese relativ trocken aussieht.

Wir entscheiden uns für die Route Renata Rossi. Diese Route ist der ersten Bergführerin Italiens, Renata Rossi, gewidmet.

Die tolle logische Linie führt über Verschneidungen und Risse die steile Wand des Colodri entlang in die Höhe.

Der Colodri mit dem Routenverlauf

Die erste glattpolierte Verschneidungslänge lässt nicht direkt Euphorie aufkommen aber als ich am Stand ankomme sehe ich den Weiterweg und der sieht gut aus.

Blick vom Stand der 1. SL
2.SL Querung zu einem Band
3. SL

Die 3. SL stellt eine komplett selbst abzusichernde ca. 30 Meter lange rote Schuppe dar. Diese ist zwar gut griffig doch das legen der Friends gestaltet sich nicht immer leicht. Besser wären hier, wie in der gesamten Route, Nuts. Die liesen wir aber im Auto 🙂

Am Stand angekommen schnaufe ich erstmal durch und bin ich froh einen soliden Ring vorzufinden.

Die nächste SL ist eine spektakuläre Querung unter einem Dach.

Der Quergang

Die 5. SL ist eine lange gelbe Verschneidung die einen ziemlich auspumpt. An den schwierigsten zwei Stellen stecken Bohrhaken. Ansonsten muss man selber absichern.

6. SL: Am Anfang etwas Botanik doch dann wird es wieder steiler in der gelben Verschneidung. Welche man auf dem Foto nicht mehr sieht.

Die 7. SL ist wieder eine tolle Verschneidung die bis auf einen Bohrhacken clean ist. Hier sieht man auch wie steil die Wand ist. Im Hintergrund ist 200 Meter unter uns der Swimmingpool des Campingplatzes zu erkennen.

Die 8. SL stellt die Überwindung eines spektakulär überhängenden Risses dar. Rechts oben zu erkennen. Nach dem Riss gehts nach links sonst landet man am Stand der Segantini.

Fazit: Tolle, spektakuläre Route die einiges an Eigeninitiative bei der Absicherung fordert. Nuts lassen sich gut einsetzen, Friends gehen auch sind in den nicht parallelen Rissen aber oft schwer zu platzieren. Hat definitiv mehr als 3 Sterne des Arco Führers verdient auch wenn einige Stellen schon starke Patina aufweisen. Halt nicht im Sommer in der Sonne einsteigen aber das ist am Colodri sowieso ratsam.

1 Tag in Arco

Anstatt am Sella Pass in den Dolomiten landen wir unverhofft in Arco

Als wir kurz vor Brixen das erste mal lesen: „Sella Joch gesperrt“ ahnen wir nichts gutes.

Bei der Ausfahrt Brixen wird unser Verdacht durch einen mürrischen Beamten der italienischen Autobahnmaut erhärtet. Nach kurzer Beratung bei einem Capuccino in der nächsten Bar beschliessen wir kurzerhand nach Arco weiterzufahren.  

Also anstatt Alpin Feeling in den Dolomiten mediterrane Gefühle am Gardasee.

Aber was soll’s. Kurz nach 10.00 stehen wir unter der imposanten Colodri-Südwestwand und steigen bei leichter Bewölkung in die „Giovanni Segantini“ ein.

Die angenehem Wolken halten gerade bis nach der ersten Seillänge, danach wirds recht unangenehm heiss und die schweren Seillängen werden deswegen nicht leichter. In der 2. Seillänge, die ich vorsteige, tue ich mir schon ziemlich schwer, auch die recht weiten Bohrhackenabstände helfen nicht gerade beim entspannen.

1. SL, es geht gleich zur Sache pic: S.Morettini

Stefano steigt die 3. Seillänge vor, eine steile 7a muss jedoch auch einmal sitzen. Ich kämpfe mich im Nachstieg hinauf, habe aber in der Schlüsselsequenz am Ende der Länge weder den Biss noch die Kraft die kleinen Griffe anständig zu zuschrauben und so sitze auch ich.

Am Stand angekommen sehne ich mich in den Swimmingpool, den wir tief unter uns blau leuchten sehen. Ich fühle mich etwas weichgekocht in der Marille und so bitte ich Stefano den Vorstieg der nächsten Länge zu übernehmen. 

Der Nachstieg ist dann auch nicht der pure Genuss aber zumindest den mentalen Aspekt kann ich ignorieren. Ich greife auch mal in die Expresse weil den Gedanken an eine Rotpunkt Begehung habe ich längst über Bord geworfen. Heute läuft es eben nicht wie ich mir das ausgemalt habe, deswegen überlasse ich auch Länge 5, ein überhängender, scharfkantiger Riss, Stefano.

3. SL pic: S.Morettini

Stefano hat zwar auch ein paar Sitzer kämpft sich aber taper hinauf. Länge 6 und 7 sind dann die ersten „leichten“ im Grad 7-. Nachdem die Sonne nun aus der Wand ist und ich mich etwas erholt habe steige ich diese zwei Längen vor. Die Kletterei ist hier zwar leichter aber die Abstände auch recht weit. Irgendwie gelingt es mir aber mein Selbstvertrauen zurück zu gewinnen und so beschliesse ich auch die 8. und vorletzte Seillänge vorzusteigen. Im Grad 8-/8 steigt man über plattige Stellen und Wasserillen bis zu einer guten Schuppe auf und siehe da mir gelingt alles im Onsight.

Ich bin glücklich und versöhne mich sozusagen noch mit der Route. 

Danach folgt noch eine Seillänge im 6. Grad und am Ende stehen wir müde und erschöpft am Gipfel des Colodri.

Nachdem wir die geschwollenen Zehen endlich aus den Schuhen ziehen konnten und ein kühles Bier vor uns steht haben wir auch die Torturen von vorhin schnell vergessen 🙂

Am Ende sicher keine lupenreine Rotpunktbegehung aber ein Abenteuer war es allemal!

Die Wand pic: S.Morettini

TOPO von Bergsteigen.com

 

Finally, Schuhe aus, Bier raus!

Blog Stefano: http://becauseflatsucks.blogspot.co.at/?m=1